Ein gequälter Engel
Anlässlich des 65. Jahrestag der Befreiung fand vom 17. bis 24. April 2010 eine Deutsch-Polnisch-Weißrussische Jugendbegegnung statt. Veranstalter war die Urban-social gemeinnützige GmbH, die seit über zehn Jahren in Marzahn die Bildungsstätte Haus „Pro-social“ betreibt. Das Projekt wurde mit Unterstützung auch des Heimatvereins und des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf realisiert. So fand unter anderem am 18. April im Bezirksmuseum ein Geschichts-Workshop statt, den seitens des Heimatvereins Dr. Christa Hübner mit vorbereitet hatte. Sie führte gemeinsam mit der Leiterin des Bezirksmuseums Dorothee Ifland die Jugendlichen in das Thema Zwangsarbeit in Marzahn-Hellersdorf ein. Anhand originalsprachlicher, handschriftlicher Berichte beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem konkreten Schicksal ehemaliger ZwangsarbeiterInnen und einer Liste, in der der Tod von mehr als 100 Kindern meist sowjetischer und polnischer Zwangsarbeiterinnen dokumentiert ist, die auf dem Parkfriedhof Marzahn bestattet sind. Dies diente als inhaltliche Vorbereitung für ein Kunstprojekt, das Jugendliche gemeinsam mit dem Prignitzer Künstler Bernd Streiter realisierten.
Foto: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf Jugendliche beim Workshop
Am 23. April 2010 wurden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt und das Kunstwerk „Vernichtete Unschuld“ übergeben. Schirmherrin Petra Wermke, Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf, bedankte sich bei den beteiligten Jugendlichen, den Initiatoren und Unterstützern des Projektes: Hans-Jörg Muhs und Sebastian Blumenreich von Urban social, Dorothee Ifland und Iris Krömling, vom Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf, Wolfgang Brauer und Christa Hübner vom, Heimatverein Marzahn-Hellersdorf, bei dem Künstler Bernd Streiter und der Gießerei Flierl sowie bei Jörn Wunderlich, Mitglied des Bundestages (DIE LINKE). Der Künstler Bernd Streiter hat mit Jugendlichen das Kunstwerk als Zeichnung im Raum, zum Teil aus Stacheldraht angefertigt. Ein Engel, der als Zeichen für Unschuld gilt und gleichzeitig die Qualen der getöteten Kinder zum Ausdruck bringt. Jugendliche aus Tychy, Minsk und aus dem Bezirk verlasen die Namen der mehr als 100 gestorbenen Kinder. Ein bewegender Moment. J. Wunderlich und Dr. J. Koch, Geschäftsführer von Urban social, würdigten das Engagement der Jugendlichen aus den drei Partnerstädten.
Das Kunstwerk ist bis zum Ende der aktuellen Ausstellung „Über den Tod hinaus. Zur Friedhofsgeschichte von Marzahn-Hellersdorf“ am 11. Juli 2010 im Bezirksmuseum zu sehen.
| Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen. |
Text: Hübner/Schilling, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf (1), Schilling (6)





