Wolfgang Brauer, Dr. Peters

Rede Wolfgang Brauer, Vorsitzender



Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

es ist sträflicher Umgang mit der Lebenszeit anderer Menschen, längst Gesagtes in langer Rede zu wiederholen – ebenso sollte man es sich möglichst verkneifen, jedermann und jederfrau vorliegendes Gedrucktes zu repetieren. Ich versuche mir Mühe zu geben, dieses heute nicht zu tun und will daher nur zu drei Punkten sprechen – zu einem heißen Eisen unserer Arbeit, über Ideen für Zukünftiges und das Dritte verrate ich noch nicht.

Zum heißen Eisen zuerst.

Geschichte, richtiger gesagt Geschichtsschreibung, hat immer Legitimationscharakter für die jeweils herrschenden Verhältnisse – was Wunder wenn auch die Kritiker dieser Verhältnisse sich Clios bemächtigen. Auch wenn sie natürlicherweise nicht über die jeweilige Medienmacht verfügen. Der Blick auf die Geschichte, der Umgang mit ihr, der doch immer zukünftiges Handeln erahnen lässt, wird deshalb nur zu leicht Instrument der tagespolitischen Auseinandersetzungen. Der Historiker, der Regional- und Heimathistoriker ist davon mitnichten verschont, steckt, ob er will oder nicht, in diesen Auseinandersetzungen mitten drin und wird sehr schnell vom Objekt zum Subjekt des Parteienstreits. Und letzterer – wer wenn nicht die Freunde der Geschichte müssten dies besser wissen – rankt sich häufig weniger um die Sachfragen an sich. Politik ist untrennbar mit Herrschaft verbunden. Es geht also immer auch irgendwie um Macht, um den Kern des Kometen - und wenn es nur die Partikelchen am Ende seines Schweifes sind: Der enorme Symbolwert rechtfertigt den Streit allemal.

Der Heimatverein war sich dessen im Laufe seiner eigenen Geschichte immer bewusst und hat sich dennoch nie gescheut, wenn gewünscht beratend für die Politik in unserem Bezirk tätig zu sein. Manchmal haben wir uns auch ungebeten eingemischt und haben eigentlich vor, dies auch weiter zu tun. Vordergründig ist dies natürlich in erster Linie das Thema öffentliches Gedenken – wann, wo, an wen, auf welche Art und Weise sollte sich öffentliches Gedenken artikulieren? So war es nur zwangsläufig, dass sich unser Tag der Regional- und Heimatgeschichte im vergangenen November mit den verschiedenen Formen dieses Gedenkens befasste und auch auf Leerstellen in der Gedenktopographie unseres Bezirkes aufmerksam machte. So ist es – finde ich – ein wunderbares Symbol für unsere Bemühungen, wenn sich anlässlich des diesjährigen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar auf Einladung unseres Vereins und der BVV-Vorsteherin zahlreiche Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes an der Zwangsarbeiterstele auf dem Parkfriedhof Marzahn zu einer Gedenkveranstaltung einfanden. Wir wollen dies zur Tradition werden lassen.

Geschichte und Politik – an kaum einem anderen Ort scheinen diese merkwürdigen Geschwister momentan so heftig aufeinander zu stoßen, wie im Streit um die Bennennung von Straßen oder – scheinbar problemloser – der Umwidmung von Denkmalen. Auch hier war der Heimatverein um Positionierungen durch das Bezirksamt gebeten worden. Wir haben uns dem nicht entzogen. Das Ergebnis können Sie in der Ihnen heute vorliegenden Broschüre nachlesen. Dr. Peters hat in seiner Eröffnungsrede bereits darauf hingewiesen.

Die Nazis nahmen auf dem Gebiet unseres heutigen Bezirkes ca. 250 Straßenbenennungen vor – davon etwa 80 Umbenennungen. Bei der Bewertung dieser Benamsungen sollte man sich allerdings hüten, willkürlich Teile der NS-Ideologie herauszupicken, um quasi selektiv im Tagesgeschäft zu argumentieren. Das bringt immer so einen Moment ungewollter Verharmlosung mit sich. Rassismus, Antisemitismus, Antimarxismus, Chauvinismus, Demokratiefeindlichkeit, rabiate Gegnerschaft jeglicher Humanität und Aufklärung bildeten in unlösbarer Verkleisterung mit einem absolut irrationalem Geschichtsbild und primitivstem geopolitischem Denken ein Amalgam, dessen unheilvolle Tiefenwirkung – weil eben nicht nur in diesen verheerenden 12 Jahren den Deutschen eingeflößt! – bis heute spürbar ist.

Es macht sich an unseren Straßennamen fest. Von den 80 NS-Umbenennungen wurden nach 1945 nur wenige zurückgenommen. Das hat viele Ursachen. Irgendwelchen DDR-Antisemitismus dahinter wittern zu wollen, halte ich allerdings für ziemlich daneben. Es ist eher dieses eben beschriebene Amalgam: Wie harmlos erscheinen doch die Namen unseres Biesdorfer Getreideviertels – wer denkt denn beim Spatenweg an das Symbol des Reichsarbeitsdienstes? Auch ich hielt dies lange Zeit eher schmunzelnd für eine Art heimliche Selbstehrung des Kleingarten- und Siedlerverbandes der DDR. Wer misstraut denn Namen wie Völklinger oder Öseler Straße?

Es ist kein alleiniges Marzahn-Hellersdorfer Problem. In Steglitz-Zehlendorf gibt es einen Saaleckplatz und eine Iltisstraße. Kaum jemand vermutet da Unheil dahinter: Nur begingen auf der Burg Saaleck die profaschistischen Mörder Walther Rathenaus vor ihrer Ergreifung Selbstmord – die Namensgebung war eine gezielte Provokation der jungen Weimarer Republik. Und mit dem Iltis ist nicht der possierliche Feind aller Kaninchen gemeint, sondern das kaiserliche Kanonenboot. Sie kennen den Satz, dass Deutschlands Zukunft auf dem Wasser läge und wir unseren Platz an der Sonne bräuchten …

Was macht man mit diesem uns tagtäglich bedrängenden, kontaminierten Gerümpel der Geschichte? Das Gegenteil eines Fehlers ist wieder ein Fehler, merkte der französische Philosoph Blaise Pascal an.

Gestatten Sie mir bitte, den Direktor des Potsdamer Zentrums für zeitgeschichtliche Forschung, Martin Sabrow, zu zitieren, der sich kürzlich im „Tagesspiegel“ zum Problem der Treitschkestraße in Steglitz äußerte. Seine verharmlosende Position hinsichtlich Treitschkes teile ich allerdings nachdrücklich nicht.

Wie tief soll die geschichtliche Säuberung in das Stadtbild eingreifen? Straßennamen pflegen sich von ihrer Benennung zu emanzipieren. […]. Interessant ist die Stadt, die den Blick auf die Schichten ihres Werdens und die Brüche ihrer Geschichte preisgibt, nicht aber die Stadt, die in politischer Korrektheit die Vergangenheit zum bloßen Spiegel ihrer Gegenwart reduziert. […]
Im Zweifel tut der geschichtspolitische Straßenkampf gut daran, sich auf die Radbruch’sche Formel zur Lösung des Konflikts zwischen Recht und Gerechtigkeit zu besinnen: Überkommene Straßennamen sind zu erhalten, es sei denn, dass ihr Widerspruch zum Weltbild der Gegenwart ein ihrer Benennungsfunktion abträgliches Maß erreicht.
Sabrows Fazit lautet:
Ich plädiere dafür, den historischen Wachstumswert von Namensgebungen nicht geringer zu schätzen als ihren intendierten Benennungswert.

Nur, das bedeutet, dass man sich eben dieses „Wachstumswertes“, eigentlich meint Sabrow eher den Umwertungsprozeß während einer jahrzehntelangen stillen Aneignung eines Namens durch die Stadtgesellschaft, auch bewusst ist. Das ist übrigens wie mit Kunstwerken, deren heutige Interpretation oftmals der Wirkungsabsicht ihrer Schöpfer diametral entgegengesetzt ist! Bewusstsein hat mit Wissen zu tun – und da sind wir wieder bei den originären Aufgaben der Heimatgeschichtsarbeit, die im Falle unserer Straßennamen in erster Linie Vermittlungsarbeit sein muss. Die Fakten liegen auf den Tischen respektive in den Regalen. Sie müssen bekannter gemacht werden. Und das ist eine der wichtigen Aufgaben unseres Vereins.

Wir können und wollen der Politik nicht ihre Entscheidungshoheit abnehmen. Wir können und wollen aber den zur politischen Entscheidung Legitimierten im Rahmen unserer bescheidenen Mittel das Wissen um die Hintergründe und Wirkungen mancher Entscheidung zur Verfügung stellen.

Und Wissen um Geschichte gehört verbreitet. Deshalb ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben als Verein mit darauf hinzuwirken, dass der Dauerausstellung unseres Heimatmuseums endlich der ihr gebührende räumliche Rahmen geschaffen wird. Über die Notwendigkeit eines größeren Hauses muß ich mich hier sicherlich nicht ausbreiten. Am heutigen Tage hatten Frau Dr. Hübner, Herr Rau und ich Gelegenheit, mit Herrn Bezirksstadtrat Stefan Komoß über dieses Problem zu sprechen. Mit großer Freude konnten wir die Absicht des Bezirksamtes und des neuen Kulturdezernenten zur Kenntnis nehmen, das Problem des Standortes der Dauerausstellung unseres Heimatmuseums einer raschen Lösung zuzuführen. Wir wissen natürlich um die komplizierte Haushaltssituation Berlins und des Bezirkes. Aber leer stehende Immobilien kosten auch Geld, Ein großes, an prominenter Stelle vor sich hinrottendes Gebäude ist alles andere als ein Werbeträger für den Bezirk.

Und ich nehme jetzt einfach mal die Anwesenheit unserer Bezirksbürgermeisterin, Frau Dagmar Pohle, als positives Zeichen für den Willen des Bezirksamtes, hier in der laufenden Wahlperiode Abhilfe zu schaffen. Wo wir können, werden wir wie in der Vergangenheit helfen. Unser Verein hat sich immer auch als Förderverein des Heimatmuseums verstanden. Das wird sicherlich so bleiben und so manches neue Projekt ist in diesem Zusammenhange denkbar.

Ein Verein soll für seine Mitglieder da sein. Er soll ihnen einen Rahmen geben, ihre Interessen zu verwirklichen, den Austausch mit Gleichgesinnten zu pflegen.
Das nennt man schlicht „Veranstaltungstätigkeit“. Nun fiel uns auf, dass die veröffentlichten Veranstaltungskalender des Heimatvereins proportional übergewichtig von unseren Vorstandssitzungen dominiert wurden bzw. durch Veranstaltungen, die zwar meist von Mitgliedern des Vereins bestritten, aber doch nicht von ihm als Veranstalter getragen wurden. Hier haben wir im vergangenen Jahr versucht, einen neuen Anfang zu finden. Ich meine die Exkursion nach Magdeburg. Wir setzen dies fort am 5. Mai mit einer Exkursion in die Burg Ziesar. Dort befindet sich in einer fast unbekannten aber wunderbar restaurierten gotischen Burganlage der Brandenburger Bischöfe – allein die Fresken lohnen die Fahrt dorthin - das erst vor kurzem gegründete Brandenburgische Museum für Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters.
Ich möchte jetzt sehr für diese Fahrt werben. Anmeldelisten liegen heute am Eingangstisch aus. Bitte tragen Sie sich ein! Ebenso möchte ich Ihnen empfehlen, sich den 21.4. 14.00 Uhr im Kalender zu vermerken. Quasi als Nachtrag zu unserem letzten Tag der Regionalgeschichte bieten wir eine historisch orientierte Führung über den Parkfriedhof Marzahn am Wiesenburger Weg an, die dankenswerterweise unser Mitglied Dr. Lutz Prieß übernommen hat. Hier ist die Teilnahme entgeltfrei – aber auch hier bitten wir um Eintragung in die ausliegende Teilnehmerliste. Natürlich kann man sich auch später noch entscheiden mitzukommen. Niemand wird abgewiesen werden.

Im Herbst haben wir eine weitere Exkursion auf dem Plan – wir bieten Ihnen einen gemeinsamen Besuch des Hauses der Brandenburgischen Geschichte in Potsdam an und hoffen auch hier auf eine rege Beteiligung. Bitte erzählen Sie dies ruhig weiter – auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen. Und weitere Vorschläge, wohin wir uns mit wem zu welchem Thema bewegen sollten, natürlich auch.

Noch keine endgültige Position – darüber sollten wir heute diskutieren, eine Entscheidung wie auch immer des Vorstandes beträfe den gesamten Verein – haben wir hinsichtlich einer anderen Art von Veranstaltungstätigkeit gefunden: Festen, Märkten, Ausstellungen und ähnlichen Events. Ich meine jetzt keine kommerzielle Tätigkeit. Den gemeinnützigen Charakter unseres Vereines dürfen wir auf keinen Fall gefährden. Aber wir fungierten z.B. als Träger des Alt-Kaulsdorfer Weihnachtsmarktes. Das ist eine sehr erfolgreiche und wunderbare Veranstaltung. Ähnliche Entwicklungen und Absichten gibt es auch im Dorf Marzahn. Unter dem Dach des Heimatvereines hat sich eine Initiativgruppe Märkisches Angerdorf Alt-Marzahn gebildet. Belege ihrer Tätigkeit finden Sie im Veranstaltungsplan für 2007. Es zeichnet sich also eine Tendenz ab, dass der Verein möglicherweise über seine bisherige Selbstbeschränkung auf Heimatgeschichtsarbeit hinausgeht – wie andere Heimatvereine übrigens auch, wobei eine originäre Trachtengruppe sich in Marzahn-Hellersdorf sicherlich nur schwer denken lässt, aber anderes schon. Dies hätte Konsequenzen für unsere Arbeitsstrukturen, für Finanzierungsmodelle und Ähnliches. Nicht alles ließe sich dann auf Dauer nur ehrenamtlich umsetzen. Wollen wir das? Können wir das leisten? Wenn ja, was ist da denkbar? Wir sollten dies heute diskutieren.
Es wären sehr grundsätzliche Entscheidungen. Und wenn man etwas beginnt, sollte man es richtig machen, mit ganzer Kraft.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich selbst bislang ein Versprechen, das ich konkret unserem Freund Hasso Kühl vor über einem halben Jahr gegeben habe, bislang nur sehr unzureichend eingelöst habe. Herr Kühl sprach das Thema Heimatgeschichte an den Schulen an und unternahm da auch schon diverse Vorstöße. Mit durchwachsenem Erfolg. Das hat viele Ursachen, die sehr viel, aber nicht nur, auch mit den Strukturen der heutigen Schule zu tun haben. Sie erinnern sich an den Mitgliederbrief, den ich im Herbst schrieb. Da sprach ich dieses Thema an. Die Resonanz nicht nur seitens unserer schulischen Mitglieder war allerdings gleich Null. Und ich gebe es zu, so richtig Rat weiß ich mir auch nicht. Ich weiß allerdings, dass das Interesse junger Leute an Geschichte, wenn es denn erst einmal geweckt ist, riesig sein kann. Auch der Wille, aktiv historisch zu arbeiten. Ein wunderbarer Beleg ist das Raoul-Wallenberg-Projekt der Virchow-Oberschule. Ein nicht unwichtiger Nebeneffekt könnte dann auch eine eventuelle „Verjüngung“ unseres Vereins sein. Langer Rede kurzer Sinn – ich möchte für die Bildung einer Arbeitsgruppe „Schule und Heimatgeschichte“ werben, die Herrn Kühls Vorarbeiten aufgreift, andere Ideen einbringt – und vielleicht auf dem Umweg über ein oder zwei Modellprojekte (thematisch ist da vieles denkbar!) dieses dicke Eis brechen hilft. Ich weiß wie schwer das ist, ich war selber lange Zeit Lehrer. Gefreut habe ich mich heute über das in dieser Frage offene Ohr des neben der Kultur auch für die Schulen zuständigen Bezirksstadtrates.

Werben möchte ich auch um tätige Mitwirkung an der Vorbereitung unseres diesjährigen Tages der Regional- und Heimatgeschichte am 17. November. Wir wollen uns diesmal der Kulturgeschichte widmen. Schwerpunkt soll das Wirken von Künstlern sein, die entweder im Gebiete des heutigen Bezirkes wohnten und arbeiteten oder unserem Territorium auf andere Art verbunden waren. In Überblicksdarstellungen sollen Orte, Einrichtungen und kulturhistorische Zusammenhänge dargestellt werden. Ergänzt werden soll dies durch biographische Exkurse zu Leben und Werk. Der Bogen soll sich dabei spannen vom kurbrandenburgischen Diplomaten und Dichter Friedrich von Canitz (1654 bis 1699) bis hin zum 2006 verstorbenen „Vater des Sandmännchens“, Gerhard Behrendt. Das Spektrum der Künstler des 20. Jahrhunderts könnte dabei vom Heimathistoriker Paul Großmann über die Schauspielerin und Diseuse Rosa Valetti bis hin zu Otto Nagel, Ludwig Renn und Gustav von Wangenheim reichen. Die Überblicksdarstellungen könnten auch die bislang kaum publizierten „Orte der Alltagskultur“ aufarbeiten: Gasthäuser, Tanzsäle und Kinos der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Geschichte des Kulturbundes im Bezirk nach 1945. Aus Gründen einer sinnvollen zeitlichen und inhaltlichen Begrenzung sollen Personen und Entwicklungen der Zeit nach der Wiedervereinigung auf der 2007er Veranstaltung noch nicht bearbeitet werden – irgendwann wird auch das auf uns zukommen. Der Tag der Regional- und Heimatgeschichte soll in Kooperation mit anderen Partnern (u.a. Heimatverein Blumberg und Kulturring e.V. Berlin) durchgeführt werden.

Jedenfalls wäre der Vorstand für Anregungen und Angebote sehr dankbar – auch für Zusagen von Reden, Vorträgen oder – bei diesem Thema sogar wünschenswert – künstlerischen Beiträgen. Kunst und Kultur kann man knochentrocken behandeln, allerdings besteht dazu keine Verpflichtung.

Und publizieren wollen wir die Ergebnisse dann später auch wieder, das wäre dann Heft 5 unserer Beiträge zur Regional- und Heimatgeschichte. Heft 3 kann man ab sofort käuflich erwerben. Auch heute. Machen Sie bitte davon rege Gebrauch. Das Heftchen eignet sich auch trefflich zum Verschenken. Heft 4 wird sich dem Thema „Gedenken“ widmen und ist in Vorbereitung.

Wenn wir über die Publikationstätigkeit des Heimatvereins nachdenken, gibt es aus Sicht des Vorstandes durchaus Vakanzen. Unsere unermüdliche Vertriebsfrau Ursula Schuricht weiß ein Lied davon zu singen: Uns fehlen kleine thematische Heftchen und wir denken darüber nach, ob es nicht Sinn machen würde, ähnlich wie in anderen Bezirken oder Landkreisen üblich, eine Art heimatgeschichtliches Jahrbuch herauszubringen. Nicht zu jedem Thema lohnt eine ganze Konferenz, wichtig und interessant kann es aber allemal sein. Beispiele können wir alle aufzählen. Wir brauchen aber dazu mehr Schreiberinnen und Schreiber. Wir brauchen Geld. Nun werde ich nicht das Mikrofon missbrauchen, um jetzt die verehrte Frau Bezirksbürgermeisterin zu einer Zusage zu nötigen, die sie nur schwer einlösen kann. Aber ich erlaube mir den Hinweis, dass eine solche regelmäßige Publikation durchaus ein attraktiver Werbeträger für den Bezirk sein könnte und es sich vielleicht deshalb für das Amt lohnen würde …
Gut, das Korn ist ausgestreut und ich kann nun endlich zum Schluß kommen.

Den möchte ich mit einem Dank beginnen – Dank an allen meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen, die in wirklich unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit unseren Verein lebendig halten: Meine Stellvertreter Dr. Christa Hübner und Peter Mier, unser Schatzmeister Rainer Rau – ja, es ist uns gelungen, die vor einem Jahr noch etwas bedrohlicher aussehende Finanzsituation des Vereins zu stabilisieren – und der Schriftführer Michael Ziebarth. Ursula Schuricht habe ich schon genannt – vor Frau Schuricht verneige ich mich. Dank an Claas Reise und Dr. Renate Schilling für Pressearbeit und Internetbemühungen (hier möchte ich auch an Herrn Jörg Heidemann Dankeschön sagen, obwohl der Vorstand letztendlich den Vorschlägen Herrn Heidemanns nicht gefolgt ist, sondern für den Internetauftritt eine andere Variante bevorzugte). Dank an Dr. Manfred Teresiak und Andreas Rinner, dank an Albrecht Voigt, der uns im Kulturbeirat des Bezirkes vertritt. Dank auch an unsere Kassenprüfer Marita Beier und Karsten Schneider für ihre gründliche Kontrollarbeit. Und last but not least – Dr. Rolf Semmelmann für die solide Arbeit an unserer Berichtsbroschüre.

Ich habe bestimmt manchen oder manche vergessen zu nennen und sicherlich nicht Jede und nicht Jeder, der es verdient hätte, taucht namentlich im Rechenschaftsbericht auf. Sollte solches unterlaufen sein, bitte ich um kritische Nachsicht – verbunden mit einem kleinen Hinweis für das nächste Mal. Der Verein lebt durch seine Mitglieder.

Und einem möchte ich – das ist jetzt mein angekündigtes drittes Thema – im Namen des Vorstandes und in meinem eigenen Namen ganz besonders Dank sagen für Hilfe, Rat und tätigen Beistand: Das ist mein Vorgänger im Amte, Dr. Günter Peters.

Günter Peters ist Ehrenmitglied unseres Vereins – der Vorstand möchte Ihnen vorschlagen, ihn zum neuen Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Nun gibt es dafür in unserer Satzung keine Regelung – also frage ich ganz banal, ob es Einwände gibt? Wenn nicht, so würde ich Sie einfach bitten, Ihr Einverständnis durch Beifall kundzutun …

Ich danke Ihnen – wir haben wieder einen Ehrenvorsitzenden – herzlichen Glückwunsch, lieber Günter Peters!

Protokoll



Ort der Versammlung: KulturGut Alt-Marzahn 23

Tag der Versammlung: 28.03.07

Beginn: 19:15 Uhr

Die Jahreshauptversammlung war entsprechend § 6 Abschn. 1 der Satzung des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf, also satzungsgemäß, einberufen worden.

Der Versammlung liegt folgende Tagesordnung vor:

Begrüßung der Mitglieder und GästeWahl des VersammlungsleitersErgänzungen zum Rechenschaftsbericht des VorstandsBericht der KassenprüferDiskussion zum Rechenschaftsbericht und zum Bericht der KassenprüferBeschlussfassung zum Rechenschaftsbericht und zum Bericht der KassenprüferSchlussbemerkungen des Vorstandsvorsitzenden
Die Tagesordnung war bei Einberufung der Versammlung mitgeteilt worden, sie wird durch die Versammlung mit Handzeichen bestätigt und im Weiteren wird danach verfahren.

Zu TOP 1
Die Begrüßung erfolgt durch Dr. Peters. Er begrüßt die Bezirksbürgermeisterin Frau Dr. Pohle sowie die ehemaligen Bezirksbürgermeister Dr. Butler und Dr. Klett.
Dr. Peters bittet um eine Gedenkminute für die vier verstorbenen Vereinsmitglieder.
Im Weiteren würdigt er die Ergebnisse der Vereinsarbeit: den Tag der Regional- und Heimatgeschichte 2007die Tätigkeit der Ortschronistendie Beteiligung an den Grüber-Kolloquien (was im Rechenschaftsbericht leider nicht vermerkt worden sei)die Zusammenarbeit von Heimatverein und Bezirksmuseum: die vom Bezirksmuseum erarbeitete Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirks sollte möglichst bald in der ehem. Lüdicke-Bibliothek insgesamt präsentiert werden können. Bietet seine Mithilfe bei der Einwerbung der erforderlichen Mittel an.Aktivität zum Thema Straßenbenennung/ -umbenennung

Zu TOP 2
Herr Peter Mier wird mit Handzeichen einstimmig zum Versammlungsleiter gewählt, Dr. Rolf Semmelmann wird als Protokollführer benannt.

Zu TOP 3
Der Vorstandsvorsitzende, Herr Wolfgang Brauer, trägt ergänzende Bemerkungen zum Rechenschaftsbericht des Vorstands für das Vereinsjahr 2006 vor. (Der Text der Rede liegt schriftlich vor.)

Herr Brauer spricht zu folgenden Themen:Straßenbenennung/ -umbenennung. Heimatverein müsse sich beim Thema „öffentliches Gedenken“ einmischen. Verweis auf den Tag der Regional- und Heimatgeschichte 2007 und auf die Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag auf dem Parkfriedhof, die zur Tradition werden sollte. Aktuell und brisant sei insbesondere das Thema der Straßenumbenennungen in der NS-Zeit. Heimatverein müsse über Herkunft der Straßennamen aufklären, auch harmlos klingende Namen können Ausdruck von NS-Ideologie sein. Auch die Aneignung von Straßennamen durch die Stadt habe eine Geschichte und sollte erkundet werden. Das Thema stehe für die gesamte Stadt, nicht nur für den Bezirk. Heimatverein könne dem Bezirksamt die Entscheidungen nicht abnehmen, könne aber beraten und Wissen vermitteln.Vereinsleben. Was bietet der Verein für seine Mitglieder an? Exkursionen zu historisch bedeutungsvollen Orten bzw. Veranstaltungen (Beispiele).Beteiligung des Vereins an Märkten, Festen u. a. „Events“. Hier habe sich manches eingebürgert, aber wenn über diesen Rahmen hinausgegangen werden sollte, dann hätte das weitreichende Konsequenzen und könne nicht nebenbei ehrenamtlich geleistet werden. Der Heimatverein müsse dazu noch seine Position klären.Arbeit mit Schülern. Ungeachtet einzelner ermutigender Beispiele bestehe insgesamt eine gewisse Ratlosigkeit, wie man hier in größerer Breite vorankommen könne. Vorschlag: Bildung einer Arbeitsgemeinschaft „Heimatgeschichte und Schulen“.Ankündigung des nächsten Tages der Regional- und Heimatgeschichte 2007 zum Thema „Kultur und Künstler in der Region (vom 17. Jh. bis zur Gegenwart)“. Bitte um Vorschläge, Beiträge und Mithilfe bei der Vorbereitung.Publikationstätigkeit des Vereins. Es bestehe ein Defizit an kleinen Heftchen, die zu einzelnen Themen informieren. Erwogen werden sollte die Herausgabe eines Jahrbuchs zur Regionalgeschichte, wo ebenfalls einzelne Themen behandelt werden könnten. Wie können mehr Autoren gewonnen und finanzielle Mittel eingeworben werden?Danksagung an aktive Vereinsmitglieder, vor allem an einzelne Vorstandsmitglieder.
Herr Brauer schlägt der Versammlung vor, Dr. Peters zum Ehrenvorsitzenden des Vereins zu ernennen. Die Zustimmung der Versammlung erfolgt durch Beifall (die Satzung des Vereins sieht keinen speziellen Modus für diese Ernennung vor).

Zu TOP 4
Den Bericht der Kassenprüfer gibt Frau Beier (der Bericht liegt schriftlich vor). Frau Beier gibt der Versammlung die Empfehlung, den Vorstand hinsichtlich seines Finanzgebarens zu entlasten.

Zu TOP 5
Aussprache zu den Berichten:

Herr Dr. Helas: Das Thema „Straßenbenennung/ -umbenennung“ sei umfassend zu betrachten. Vorschlag: Veranstaltung zu den Umbenennungen nach 1989, die eventuell im Museum durchgeführt werden könnte. Dazu gebe es auch Aktivitäten von Schülern, die einbezogen werden sollten. Hinweis auf Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung an der Alice-Salomon-Schule zum Thema „Großsiedlungen und Rechtsradikalismus“ am 12. Mai 2007.
Herr Kintscher: Konstatiert, dass die Diskussion um die Straßennamen zu sehr auf Mahlsdorf fokussiert sei. Die Diskussion müsse umfassender angelegt werden. Auch sollten Neubenennungen überlegt werden (z. B. nach Jurek Becker oder nach der jüdischen Familie Gutmann, die in Mahlsdorf gelebt hat). Wünschenswert sei auch eine Aufklärung über Straßennamen in Form kleiner Info-Tafeln wie in anderen Stadtbezirken, denn die Benennung der Straßen und Plätze allein genüge nicht.
Im Rechenschaftsbericht sei leider das wichtige Buch von Hilmar Bärthel „Berlin und seine Bauten“ als Beispiel einer Aktivität eines Vereinsmitgliedes nicht berücksichtigt worden.
Herr Beyer: Die Internetpräsenz des Vereins sei noch nicht befriedigend, so sei die Jahreshauptversammlung auf der Homepage des Vereins nicht angekündigt worden. Die Darstellung im Internet sei u. U. wichtiger als andere Veröffentlichungen.
Herr Mier dazu: Das Problem sei vom Vorstand erkannt worden, es gebe aber eine Reihe praktischer Schwierigkeiten.
Frau Dr. Pohle (Bezirksbürgermeisterin): Das Bezirksamt habe sich in einer Klausurtagung darüber verständigt, dass die Einrichtung der ehem. Lüdicke-Bibliothek als Ort für die Dauerausstellung beschleunigt vorangebracht werden soll. Dafür seien auch in Ausbildung befindliche Jugendliche einzubeziehen. Hinweis darauf, dass in dem „Haus des Sports“, das im Bezirk geschaffen werden soll, auch ein Sportmuseum untergebracht werden soll. Vielleicht könne der Heimatverein das Vorhaben unterstützen. Zum Thema „Feste u. a. Events im Bezirk“: Das Bezirksamt wolle darauf hinwirken, dass nur noch typische, bereits eingebürgerte Stadtbezirksfeste den Bezirksnamen tragen dürfen, die kommerzielle Nutzung des Namens sei einzudämmen. Die vom Bezirksamt in diesem Sinne unterstützten Feste: Biesdorfer Blütenfest, Hellersdorfer Erntefest/Umweltfest, Alt-Marzahner Erntefest, Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt, Weihnachtsmark Alt-Marzahn. Bei der Feier zum 20. Geburtstag des Erholungsparks Marzahn soll auch auf die Anfänge zurückgeblickt werden. Welches Material ist dazu vorhanden? Zum Thema „Straßenbenennung/ -umbenennung“: Bei der Diskussion sollte ein breiterer Ansatz gewählt werden, der Zusammenhänge deutlich macht. Umbenennungen sollten nur bei Einbeziehung der Bürger und nur im „Notfall“ vorgenommen werden. Vielleicht könnte zu diesem ganzen Thema eine Geschichtswerkstatt organisiert werden. Beispielhaft sei das Schüler-Projekt an der Rudolf-Virchow-Schule zum Thema „Raoul-Wallenberg-Straße“.
Herr Dr. Klett: Erklärt seine Bereitschaft, in der AG „Schule und Heimatgeschichte“ mitzuwirken. Es sei wenig bekannt, dass von den Schulen wichtige Initiativen ausgingen, z. B. die Aktion Stolpersteine von einem Religionslehrer. Vorschlag: Zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 2008 sollte es ein besonderes Gedenken geben, dazu seien Vorschläge auszuarbeiten. Ungelöstes Problem: Wie kann die Geschichte der Großsiedlung vor Ort sichtbar gemacht werden? Welche Möglichkeiten auch einer künstlerischen Vermittlung gibt es dafür? Zum Thema „Straßennamen“: Nicht alles könne gemeinsam behandelt werden, man müsse überlegen, welches Gewicht einzelne Aspekte haben sollen. So dürfe der besondere Charakter der Um- und Neubenennungen der NS-Zeit nicht verwischt werden. Auch sollte die historische Betrachtung auf die ursprünglichen Namensgebungen (z. B. in den zwanziger Jahren) ausgedehnt werden.
Herr Dr. Prieß: Wie kann Heimatgeschichte an die hier wohnenden Spätaussiedler vermittelt werden, die entsprechende Veranstaltungen nicht besuchen? Wie kann der Heimatverein einen Beitrag dafür leisten, dass das Ringen dieser Gruppe um ihre neue Heimat erleichtert wird?
Herr Mier dazu: Vorschläge sollten möglichst mit Bereitschaftserklärungen für deren Realisierung verbunden werden. Der Heimatverein habe nur begrenzte Zahl aktiver Mitglieder. Beispiel: Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt. Diese Veranstaltung „funktioniere“ nur deshalb bereits seit vielen Jahren, weil eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen sich dafür einsetze.
Herr Kunzendorf: Zum Thema „Straßennamen“: Erinnert an die Initiative von Herrn Winkler zur Benennung einer Straße nach Pfarrer Grüber. Herr Winkler sollte bei diesem Thema einbezogen werden. Zur Aktion „Stolpersteine“: Erinnert an den Rundgang mit Herrn Petschelt zu den Häusern in Mahlsdorf, in denen Juden gelebt haben. Daran könne die Aktion „Stolpersteine“ anknüpfen. Zur Integration der Migranten: Die ev. Kirchengemeinden von Marzahn seien in dieser Hinsicht sehr aktiv, vielleicht könne man deren Veranstaltungen nutzen, um den Heimatverein und die heimatgeschichtlichen Aktivitäten im Bezirk vorzustellen (Kontakt zu Pfarrer Göbel und Pfarrerin Dr. Dang aufnehmen). Zum Rechenschaftsbericht: Im Unterschied zu vorangegangenen Berichten würde diesmal bedauerlicherweise die Nennung der runden Geburtstage fehlen. Und könne man nicht bei dem Nekrolog die Lebensdaten der Verstorbenen angeben?
Frau Satke: Bedauert die geringe Beteiligung am Tag der Regional- und Heimatgeschichte und anderen Veranstaltungen. Hier beginne doch die Ausstrahlung des Vereins. Verweist auf die Eröffnungsveranstaltung für die Ausstellung „Cölln – Caulsdorf“ in der Kaulsdorfer Kirche am 6.06.07. Erinnert daran, dass die Kaulsdorfer Feuerwehr in diesem Jahr (am 16.06.) ihr hundertjähriges Bestehen feiert.

zu TOP 6:
Die Versammlung fasst auf Antrag von Herrn Beyer folgenden Beschluss:

„Der Rechenschaftsbericht und der Finanzbericht des Vorstands für das Jahr 2006 werden bestätigt. Die Versammlung entlastet den Vorstand für das Vereinsjahr 2006.“
Abstimmungsergebnis: Der Antrag wird von den anwesenden 55 Vereinsmitgliedern einstimmig angenommen, es gibt keine Gegenstimmen und keine Stimmenthaltungen, die Abstimmung erfolgt durch Handzeichen.

zu TOP 7:
Der Vereinsvorsitzende, Herr Brauer dankt in seinen abschließenden Worten dem Bezirksamt für die Unterstützung des Heimatvereins, insbesondere für die forcierte Arbeit an dem Ort für die Dauerausstellung. Er dankt weiter allen Diskussionsteilnehmern, die Vorschläge unterbreitet haben und vor allem jenen, die ihre Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit erklärten.

Ende der Versammlung: 21:00 Uhr

Versammlungsleiter: Peter Mier, Protokollführer: Dr. Rolf Semmelmann

Berlin, 30.03.07

  Wolfgang Brauer, Peter Mier, Rainer Rau  Wolfgang Brauer, Dagmar Pohle 


Rechenschaftsbericht [585 KB]