An einem durchaus trüben Sonnabendvormittag hatte der Heimatverein zu einem Besuch der archäologischen Ausgrabungstätte in Biesdorf-Süd eingeladen. Ca. 30 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Der Leiter der Grabung Hr. Kai Schirmer führte über das Grabungsgelände und antwortete kompetent auf die vielen Fragen.

Nach Abschluss aller Arbeiten werden die Archäologen insgesamt 16 ha umgegraben haben, das ist die größte Fläche, die jemals in Berlin untersucht wurde. Biesdorf-Süd erweist sich als Siedlungsort, der seit dem 9. Jh. vor der Zeitrechnung fast ununterbrochen besiedelt war. Funde gibt es vereinzelt aus der Steinzeit, aus der Bronze- und vorrömischen Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit, der slawischen Zeit und aus dem Mittelalter, bisher wurden mehr als 14000 Funde sichergestellt. Darunter vor allem Keramik sowie Reste von 65 Brunnenanlagen aus verschiedenen Jahrhunderten wurden bisher gefunden. Auch mehrere Öfen wurden ausgegraben. Auf Gebäude verweisen lediglich Pfostenlöcher, aus denen die Archäologen den Aufbau von Gebäuden rekonstruieren können. Viele Funde lassen sich genau datieren, da Holzreste gefunden und gesichert werden konnten. Andere Datierungsmethoden sind zeitaufwendig und teuer. Wer die Siedler in den einzelnen Perioden waren, darüber können nur Vermutungen angestellt werden. Relativ sicher ist, dass neben slawischen Gruppen, germanische Völker, wie Semnonen, vielleicht auch Vandalen und Burgunden siedelten.

Hr. Schirmer erklärt  Die Ausgrabungsstätte 

Die Funde deuten daraufhin, dass die frühen Siedlungen aus Einzelgehöften bestanden. Die Rekonstruktion eines solches Einzelgehöft steht in der Nähe der ersten Ausgrabungsstätte, am Regenrückhaltebecken. Die Grundfläche der drei dargestellten Gebäude ist auf einer Grünfläche zu erkennen. Sehr viel mehr war leider von der Ausgrabung selbst nicht zu sehen, außer unterschiedlichen Bodenarten, in denen die Funde liegen, Verfärbungen, die auf eine Feuerstelle hindeuten. Trotzdem war es ein interessanter Gang durch die Geschichte unseres Bezirkes.

aufmerksame Zuhörer  Rekonstruktion der Grundfläche eines Gebäudes  Rekonstruktion eines Gehöftes 

Text: Schilling/Hübner, Fotos:Schilling