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Am 15.12.2011 hatte der Vorsitzende des Heimatvereins, Wolfgang Brauer, die Gelegenheit vor der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf folgende Rede zu halten:
Sehr geehrte Frau Bezirksverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Damen und Bezirksverordnete –
im Namen des Vorstandes des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf e.V. danke ich Ihnen sehr herzlich für die Möglichkeit, heute zu Ihnen ein paar Worte über unseren Verein sagen zu können.
In anderen Gegenden unseres Landes sind Heimatvereine altehrwürdige Veranstaltungen mit teils beträchtlichem Alter. Unser Verein ist vergleichsweise jung: Er entstand 2002 aus dem Zusammenschluss des Heimatvereins Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf e.V. (gegr. 1991) und des Heimatvereins Marzahn e.V. (gegr. 1998).
Wir konnten also in diesem Jahr unser 20jähriges Jubiläum begehen – und im nächsten Jahr feiern wir den 10. Jahrestag unserer Gründung...
Der Heimatverein hat zur Zeit etwa 120 so genannte „natürliche Personen“ als Mitglied, darunter sind auch einige Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung und Bezirksamtsmitglieder – unterschiedlicher Parteien übrigens, wir pflegen seit unserer Gründung das Prinzip strikter Überparteilichkeit – was uns sehr froh macht. Dazu kommen zirka 25 Unternehmen, 6 Schulen und 12 andere Vereine, mit denen wir teils sehr enge arbeitspartnerschaftliche Beziehungen unterhalten.
Nach unserer Satzung fördert der Heimatverein heimatgeschichtliche Aktivitäten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin und unterstützt zu diesem Zweck die Aufarbeitung und Darstellung der Geschichte des Bezirkes mit seinen fünf Dörfern, Siedlungen und Großwohngebieten durch Vorträge, Führungen, Publikationen und Exkursionen.
Konkret sieht dies so aus, das unsere Vereinsmitglieder eine teilweise sehr intensive Vortragstätigkeit im Bezirksmuseum, in den sozialen Stadtteilzentren, in Kirchgemeinden und Begegnungsstätten der verschiedensten Träger leisten. Dasselbe betrifft vielfältige Führungen, die wir auf Anfrage gern eisten- egal ob es sich um Träger der politischen Bildung, Schulklassen oder – auch das kommt vor – Familien handelt, die über die halbe Welt verstreut wurden und sich anlässlich eines familiären Jubiläums in unserem Bezirk treffen und den jüngeren Familienmitgliedern die Orte der eigenen Kindheit zeigen möchten. Heimat sozusagen – unser Vereinsname ist bewusst gewählt, auch wenn manche sich dabei eher an Trachtengruppe erinnert fühlen.
Im Zentrum unserer Publikationen steht unsere Reihe „Beiträge zur Regional- und Heimatgeschichte“, von der wir mittlerweile den 9. Band zur Schulgeschichte im Bezirk vorbereiten. Mit dieser Reihe dokumentieren wir die Ergebnisse unseres Tage der regional- und Heimatgeschichte. 2012 wird es übrigens um die Verkehrsgeschichte unseres Territoriums gehen. Sie können sich im Foyer mit diesen Publikationen vertraut machen – sie sind inzwischen so eine Art Bezirksgeschichte in mehreren Bänden geworden und ergänzen sich trefflich mit dem vom Bezirksamt 2009 herausgegebenen Lesebuch, das ganz wesentlich durch die Beiträge unserer Mitglieder getragen wurde.
Wir bemühen uns aber auch, die weniger fachwissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit anzusprechen: Für 2010 hatten wir einen Kunstkalender über Mahlsdorf herausgegeben, 2012 wird es einen solchen über Kaulsdorf geben.
Manche von Ihnen werden sich sicher noch an den Heimatkalender „Links und rechts der Wuhle“ erinnern, der es leider nur auf wenige Jahrgänge von 2001 bis 2005 gebracht hatte. Ein solche Projekt könnten wir uns in Form eines „Jahrbuches Marzahn-Hellersdorf“ durchaus vorstellen - quasi in gemeinsamer Trägerschaft mit Ihnen und dem Bezirksamt; wir wissen allerdings um die finanziellen Nöte, mit denen Sie in Ihrer Arbeit zu tun haben – aber anregen wollte ich das denn doch an dieser Stelle.
Exkursionen führen wir zweimal im Jahr für unsere Mitglieder und historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes durch: Wir waren u.a. Museum für Brandenburgische Kirchengeschichte Ziesar, im Oderbruch und der Schorfheide, zur großen Ottonenschau in Magdeburg und im Prämonstratenserkloster Jerichow. Auch 2012 wird klösterlich, wir fahren nach Lehnin und das benachbarte Reckahn. Halbtagsausflüge führen uns im September immer in das märkische Umland des Bezirkes. Sie sind gern eingeladen!
Wichtig ist uns unser Beitrag zur Gestaltung und Lebendigerhaltung der bezirklichen Erinnerungslandschaft. Egal ob es sich um die Gestaltung von Gedenksteinen, die Vergabe von Straßennamen oder Erinnerungstafeln handelt – wir stehen Ihnen hier immer und gern mit fachkundigem Rat zur Verfügung. Über vieles erreichte sind wir sehr froh – auf die Umsetzung mancher Anregung warten wir noch. So ist meines Erachtens eine würdige Kennzeichnung des alten Biesdorfer Dorffriedhofes schon lange überfällig. Ganz fest haben wir uns vorgenommen, zumindest mit dem Austausch über die Möglichkeiten einer stärkeren Unterschutzstellung des Flächendenkmales Parkfriedhof Wiesenburger Weg einen schritt weiter zu kommen. Ich hatte dieser Tage die Möglichkeit, über dieses Problem mit dem Landeskonservator Prof. Haspel zu sprechen – er zeigte sich hier höchst interessiert – und konfrontierte mich gleich mit einer Frage, die ich nun überhaupt nicht beantworten konnte – nämlich nach der denkmalgerechten Klimaschutzsanierung des ehemaligen Rathauses Marzahn am Helene-Weigel-Platz. Die gebe ich hier einfach einmal weiter...
Und ein letzter sachlicher Gedanke, den zu äußern mir hier eine Herzensangelegenheit ist: Wir sind sehr froh, dass unser jährliches gemeinsames stilles Gedenken anlässlich des nationalen Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus an der Stele für die umgekommenen Zwangsarbeiter auf dem Parkfriedhof fester Bestandteil des bezirklichen Kalenders wurde. Ich freue mich, dass Frau Bernikas und ich sie für den 21. Januar 2011 einladen können und danke Herrn Bezirksbürgmermeister Stefan Komoß, dass er in diesem Jahr die Ansprache halten wird.
Gleichzeitig möchte ich Dank sagen für die Unterstützung, die auch unserem Verein durch sie bislang gewährt wurde. Wir haben uns immer als Partner von Bezirksamt und BVV empfunden und wünschen uns auch weiterhin eine so gute Zusammenarbeit wie bisher.
Enden möchte ich mit einem Zitat aus Lessings „Nathan dem Weisen“:
"Denn gründen sich nicht alle auf Geschichte? Geschrieben oder überliefert!“ meint Nathan auf die Frage nach der Berechtigung der verschiedenen Religionen.—Und weiter: „Geschichte muß doch wohl allein auf Treu Und Glauben angenommen werden? -- Nicht? --
Nun welchen Treu und Glauben zieht man denn Am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?
Doch deren Blut wir sind? doch deren, die Von Kindheit an uns Proben ihrer Liebe Gegeben?“
Wir versuchen es mit Nathan zu halten. Jede Sicht auf die Geschichte hat ihre Berechtigung, solange sie vom Geiste des Humanismus getragen wird. Wir bemühen uns diese Sichten, die ihnen zugrunde liegenden Ereignisse zu bewahren und an die nach uns kommenden weiterzugeben. Jedes Menschenleben hat das Recht auf Respekt und Erinnerung, wenn es denn zu Ende gegangen ist. Dem fühlen wir uns verpflichtet.
Foto: R. Rau
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